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Das schreibt Robert Rotifer über Crush: Wenig ist süßer im Leben als der seltene Glücksfall, im Taxi auf dem Heimweg um drei Uhr früh plötzlich ganz genau den richtigen Song zu hören. Sundown, die neue EP der auf ebenso melancholische wie mitreißende Pop-Hymnen spezialisierten Grazer Band Crush, eröffnet gleich vier Chancen zu solch einer raren Epiphanie im Morgengrauen. Das im Song Sundown besungene Versinken der Sonne verkehrt sich über dem anderen Ende Stadt in das unwiderstehliche Anbrechen eines neuen Tags. „Man ist noch in diesem Moment verhaftet, sieht aber, dass eine Zukunft auf einen wartet“, so formuliert es Sängerin und Texterin Christina Lessiak: „Es ist ein neuer Anfang, man lässt Dinge hinter sich und weiß nicht so recht, ob alles so hinhaut, wie man es sich vorstellt, aber für diesen Moment ist das genug.“ Sundown ist nicht bloß die einzige in sedierter Half-Time in den Raum  schwebende Nummer auf diesem ersten Release seit dem 2017 erschienenen, ungestümen Debüt-Album Sugarcoat. Der Song verlässt auch die von Crush bisher bewanderte Klangwelt des Gitarren-Pop in Richtung einer unterkühlt schimmernden Eighties-Ästhetik. Das passt zum Gleiten unseres Taxis über eine verlassene Stadtautobahn in Richtung der schlafenden Vorstadt. Lessiaks Stimme, erinnernd an eine frühe Madonna vor dem ersten Kaffee, trifft erst auf eine abfallende Keyboard-Linie, dann auf den Puls eines Bass-Synths und Grauzone-verdächtige Morse-Codes. „You're cruel / Of no use / unaware / I fear the cold“ Wie es Blondie einst so meisterlich vorexerzierten, so kontrastieren auch Crush die retrofuturistisch urbanen Synthscapes mit dem knalligen Garagen-Beat von „There You Go“, leichtfüßig hingeworfen von Bassistin Verena Borecky und Schlagzeuger Florian Kolar (seit den Aufnahmen ersetzt durch Jakob Puttinger), stilgerecht dekoriert mit Keyboarderin Katrin Boreckys Farfisa-Fills und einem kompakten 12-String-Solo von Gitarrist Christian Lach. In „Wake Me Up“ schaltet jener dann den Vibrato-Effekt ein, denn hier geben sich Crush endlich ihrer schon auf den ersten EPs Damaged Good und No Easy Way so herzerweichend demonstrierten Schwäche für beatleske Dur-Moll-Wechsel hin – samt dezenten Anklängen an „Shake Some Action“  von den Flamin' Groovies. Aber was ist all das gegen die blanke Chuzpe, heutzutage einen Song „Twist and Shout“ zu nennen, der erst sehnsüchtig in einem fiktiven Teenagerinnen-Schlafzimmer der Phil Spector-Ära schwelgt, um sich ab Sekunde 47 kopfüber die Stiegen runter in einen Rock'n'Roll-Keller zu stürzen. „The night is good / So good! / Don't push me into the deep“, heißt es da, denn „Tonight is all / All that I've got / Thanks to you / Loving me when I am out of tune / Twist and shout is what I want to do.“ Dabei sind sie doch alles andere als out of tune, Christina Lessiak und die ihr so sicher wie der eigene Schatten folgende zweite Stimme der Katrin Borecky. Aus unerfindlichen Gründen hat sie noch nie jemand die Everly Sisters von Graz genannt. Das sei jetzt berichtigt. Die Aufnahmen zu Sundown entstanden zwischen April und August 2019 im Heimstudio von Thomas Grassegger, der als Live-Techniker der Band die Zündkraft ihres Pop-Appeals zu bündeln weiß. Gemastert wurde die EP unter Einsatz der Luxusohren des in allen Genres gewandten Patrick Pulsinger. Crush, so lobte einmal jemand überschwenglich, „vertonen genau die Verheißung ihres perfekt vieldeutigen Bandnamens: Crush im Sinne des Verknalltseins, Crush im Sinne der aus der Dose sprühenden, zuckrigen Limo und Crush im Sinne des Zermalmens des Missmuts, der uns alle zurückhält, unter dem schieren Positivismus des Pop. Wären Crush nicht 2015 aus Graz, sondern 1978 vom Ladbroke Grove gekommen, sie wären längst so groß wie die Pretenders.“ Und dazu stehe ich immer noch.

Fotocredits: Crush/Johanna Dorner



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„We don ́t give a fuck. Maybe that ́s the problem.“ Manic Youth ist eine Wiener Band voller Fehler, Liebe, Chaos, Wut, Heiterkeit, Sehnsucht und Sorge. Mal sehen wie lange es sich mit solider Zerbrechlichkeit, ernsthaften Witzen und verzerrten Gitarren die letzten verträumten Tage hindurch überleben lässt.

Schlagzeug und Bass lassen sich aber immer noch leichter bespielen als die frivole Flucht. Ewig-schnelllebig und eigenartig-ehrlich sind die Songs am Wasser gebaut. So wie Manic Youth mag wohl die Möglichkeit einer hoffnungsvollen Liebesplanung klingen. Oder ein frühsommerliches Todesröcheln. Harmonie und Apathie. Euphorie statt Nostalgie. Aktuelles Album „Frail“. Neues Album 2021.

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DON'T GO sind Nina Jukić und Alexander Forstner, ein österreichisch-kroatisches Duo, Ehefrau und Ehemann, und künstlerische Partner. Don't Go sind auf der Suche nach dem Realen, dem Dunklen und Schönen, nach dem, was jenseits oberflächlicher Konventionen liegt. Bei Konzerten beeindrucken sie mit ihren Fähigkeiten als Multiinstrumentalisten - Nina spielt mit Leichtigkeit Klavier, Synthesizer und schichtet Gesangsharmonien übereinander, und Alexander wechselt nahtlos zwischen Schlagzeug und Gitarre. Ihr Sound ist eine zielgerichtete und durchdachte Schnittmenge aus Pop und meditativen Klangerforschungen, wobei sie sich gleichermaßen von minimalistischen Komponisten wie von Radiohead, Beyoncé und Hip-Hop inspirieren lassen. Das Ergebnis ist ihr eigenes, einzigartiges Ergebnis.

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»gebenedeit« ist die Ende 2017 gegründete literarisch-liturgische Band von Lydia Haider, Josua Oberlerchner und Johannes Oberhuber.

Schriftstellerin Haider hat bereits unterschiedlichste performative Lesungen gemeinsam mit Oberhuber an zahlreichen Orten zur Aufführung gebracht. Dieses Duo wird nun vom Rhythmus des Schlagzeugers Oberlerchner erweitert. Nach wie vor stehen die Texte Haiders im Zentrum der sich als liturgisch inszenierenden Formation. Operiert wird nicht mit feiner Klinge, sondern mit schwerem Geschütz, so setzen sich Metallbeats und Dissonanz musikalisch durch, um den Weg für Haiders biblische Sprache zu ebnen.

gebenedeit kommt vom lateinischen benedicere, meint wörtlich gut sprechen und bedeutet so viel wie segnen oder lobpreisen. Im Sprachgebrauch wird gebenedeit wohl am häufigsten im katholischen Kontext, konkret im Ave Maria, gebraucht. Dort wird es ähnlich wie andere Wörter in der christlichen Liturgie an immergleicher Stelle wiederholt, undeutlich dahinrezitiert. Es bekommt den Charakter eines Pattern, gliedert den Textfluss und erzeugt einen musikalischen Rahmen. Auf ihre ganz eigene Art macht sich Haider diesen liturgischen Rhythmus zu eigen. Transformiert wird dieser in ein unmelodisch gehaltenes Konstrukt aus Stimme, Schlagzeug und Bass

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Trashig statt très chic, aber mit Niveau! Titus Probst animiert mit seinem eingängigen Synth-Sound schon ab dem ersten Takt zu rhythmischen Hüftbewegungen. Das Allround-Genie verpackt in seine Musik ein ganzes Jahrzehnt mit mitreißen den Monumenten und wirft einen zurück in die Achtzigerjahre. Eine ergreifende und intensive Live-Performance.