JOURNALISMUS JENSEITS VON LEAKS: WIE JOURNALISTEN NEUE DATENQUELLEN ERSCHLIESSEN KÖNNEN - ALEXANDER FANTA, CHRISTO BUSCHEK
In den zwei Jahrzehnten seit der Gründung von WikiLeaks ist die Verwendung geleakter Informationen im Journalismus zur gängigen Praxis geworden. Geleakten Daten schufen die Basis für bedeutende journalistische Recherchen wie die „Panama Papers“ und eine neue Form der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Recherchekollektiven.
Doch das Zeitalter der Leaks bringt eigene ethische Dilemmata, Fallstricke und Risiken mit sich – und die Notwendigkeit, über Alternativen zu diskutieren.
Die zunehmende Verbreitung von Leaks geht mit einer möglichen Instrumentalisierung in geopolitischen Auseinandersetzungen einher. Journalisten müssen damit umgehen, eine Rolle in diesen Auseinandersetzungen zu spielen, und im Zeitalter der KI immer mehr Ressourcen für die Überprüfung der Authentizität und Integrität von Datensätzen aufwenden.
Wie sollten Journalisten die Vor- und Nachteile der Nutzung durchgesickerter Daten abwägen? Und welche alternativen Strategien gibt es für den Aufbau und die Kuratierung von Datensätzen für grenzüberschreitende Recherchen?
Zwei investigative Journalisten mit langjähriger Erfahrung in internationalen Recherchen, der Pulitzer-Preisträger Christo Buschek (unabhängig) und Alexander Fanta (Follow the Money), erörtern den Umgang mit Leaks und beleuchten andere Wege der Datenerhebung.
Buschek stellt sein Konzept datengetriebener Recherche vor, eine prozessorientierte Methode zur Erstellung und Nutzung von Datensätzen. Er beschreibt seine Arbeitsweise anhand von Beispielen aus seiner journalistischen Arbeit, etwa, wie er chinesischen Online-Karten zur Lokalisierung bisher unbekannter Internierungslager in Xinjiang nutzte, oder seine Recherche über die Folter ukrainischer Zivilisten und Kriegsgefangener in russischen Gefängnissen.
Fanta bespricht die Möglichkeiten grenzüberschreitender Informationsfreiheitsanfragen. Er wird einen neuen Leitfaden vorstellen – das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Journalisten aus ganz Europa –, der zeigt, wie man in 38 europäischen Ländern Informationsrechte nutzt. Praktische Beispiele verdeutlichen, wie koordinierte Anfragen wirkungsvolle Recherchen zu Themen wie Lobbying, Korruption und Umweltverschmutzung ermöglichen.
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